Das Gedächtnis der Moderne: Warum wir die VZ zurückholen

Dass wir heute diese Artikel wieder lesen können, verdanken wir einer schöpferischen Kraft, die durch den nationalsozialistischen Terror gewaltsam unterbrochen wurde.

Das Gedächtnis der Moderne: Warum wir die VZ zurückholen
Wer die Geschichte nicht liest, ist verdammt, sie zu wiederholen. Wir lesen sie – Tag für Tag.

Berlin, März 2026 / März 1926

Was Sie hier finden, ist mehr als nur alte Tinte auf vergilbtem Papier. Mit dieser täglichen Serie öffnen wir ein Fenster in ein Jahrzehnt, das unserer Gegenwart erschreckend ähnlich ist. Die Vossische Zeitung war nicht irgendein Blatt; sie war das intellektuelle Herz des liberalen Berlins, eine Institution der Aufklärung und ein Bollwerk der Vernunft in einer Zeit, die zunehmend von Extremen zerrissen wurde.

Ein Denkmal für den Geist von Ullstein

Dass wir heute diese Artikel wieder lesen können, verdanken wir einer schöpferischen Kraft, die durch den nationalsozialistischen Terror gewaltsam unterbrochen wurde. Wir erinnern hiermit an die Leistungen der Menschen, die die VZ zu dem machten, was sie war:

  • Die Familie Ullstein: Als jüdische Eigentümer des größten Verlagshauses Europas schufen sie einen Raum für freien Journalismus und kulturelle Exzellenz.
  • Georg Bernhard: Der streitbare Chefredakteur, der unermüdlich für die Republik und gegen den aufkeimenden Faschismus schrieb.
  • Monty Jacobs: Der brillante Feuilletonist, der die kulturelle Seele Berlins einfing.
  • Autoren & Zeichner: Namen wie Kurt Tucholsky, Erich Maria Remarque oder der Karikaturist Herbert Ihering prägten den Stil des Hauses.

Warum wir heute wieder „Vossisch“ lesen müssen

Die VZ wurde 1934 eingestellt – nicht, weil sie keine Leser mehr hatte, sondern weil der Ungeist des Antisemitismus und die Gleichschaltung der Presse keinen Raum mehr für freies Denken ließen. Die Ullsteins wurden enteignet, die Redakteure ins Exil getrieben oder ermordet.

In einer Zeit, in der Antisemitismus weltweit und auch in unserer Gesellschaft wieder schamlos sein Haupt erhebt, ist dieses Archiv-Projekt auch ein Akt des Widerstands. Die neue Redaktion dieser Rückblick-Serie stellt sich entschlossen gegen jede Form von Judenhass und Ausgrenzung. Wir bringen diese Texte zurück, um an die jüdische Leistung für unsere Kultur zu erinnern und um zu zeigen, wie kostbar und zugleich zerbrechlich eine freie Presselandschaft ist.

Wer die Geschichte nicht liest, ist verdammt, sie zu wiederholen. Wir lesen sie – Tag für Tag.