Skandal in der Finanzmetropole: Mojtaba Khameneis 400-Mio.-Imperium reicht bis zu Frankfurts Luxus-Hotels – und Berlin schaut zu
Hier wird die Recherche brisant für Deutschland. Zwei der prestigeträchtigsten Hotels des Portfolios stehen mitten in Frankfurt – und laufen weiter. Booking.com hat sie im Februar 2026 zwar aus dem Angebot genommen, doch die Betriebsgesellschaften sind nicht eingefroren.
Eine investigative Recherche der Vossischen Zeitung
Berlin, 25. März 2026 – Seit seiner Ernennung zum Obersten Führer Irans am 8. März 2026 hat Mojtaba Khamenei kein einziges Mal öffentlich das Wort ergriffen. Kein Video, kein Auftritt, keine Pressekonferenz. Nur eine schriftliche Botschaft zum persischen Neujahr, verlesen im Staatsfernsehen. Die wenigen bekannten Fotos zeigen einen 56-jährigen Mann mit grauem Bart und Brille, stets in schlichtem braunem Gewand – das Bild des demütigen Klerikers, das schon sein Vater Ayatollah Ali Khamenei pflegte.
Dabei soll Mojtaba Khamenei, der nach der Tötung seines Vaters bei US-israelischen Luftangriffen am 28. Februar 2026 einstimmig vom Expertenrat zum Nachfolger gewählt wurde, über ein gigantisches Vermögen im Ausland verfügen. Im Zentrum der Spurensuche steht ein Mann, dessen Name in keinem iranischen Register auftaucht: der iranisch-zypriotische Bankier und Bauunternehmer Ali Aliakbar Ansari. Laut Recherchen der Financial Times, Bloomberg und der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) kontrolliert er ein europäisches Immobilienimperium im Wert von rund 400 Millionen Euro – als Strohmann für den neuen Revolutionsführer.
Das Imperium: Von der Skipiste bis zum Golfplatz
Die Spur führt durch ein Geflecht aus Offshore-Firmen in Luxemburg, St. Kitts und Nevis, Liechtenstein, den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Schweiz. Ansari selbst taucht als offizieller Eigentümer oder Mehrheitsgesellschafter auf – nie Mojtaba Khamenei. Die Gelder sollen aus iranischen Öleinnahmen stammen, die über Sanktionsumgehungsnetzwerke der Revolutionsgarden (IRGC) geleitet wurden.
Konkret gehören oder gehörten zum Portfolio (Stand der Recherchen Januar bis März 2026):
- Österreich (Kitzbühel): Beteiligung am luxuriösen Schlosshotel Kitzbühel über die deutsche German ETD GmbH (100 % Ansari) und die italienische Panarea Investimento S.r.l. Das Hotel wurde 2023 teilweise ausgeschlossen, um eine „feindliche Übernahme“ zu verhindern; ein Gerichtsverfahren in Wien läuft.
- Spanien (Mallorca): Das Fünf-Sterne-Hotel Steigenberger Golf & Spa Resort in Camp de Mar (164 Zimmer, Wert ca. 22 Millionen Euro) sowie eine Luxusvilla in Marbella über die britische Firma Veritas Reales Marbella SL.
- Deutschland: Die beiden Hilton-Hotels in Frankfurt (Hilton Frankfurt City Centre und Hilton Frankfurt Gravenbruch) sowie das Einkaufszentrum Bero in Oberhausen (Wert 68 Millionen Euro). Offiziell laufen sie über deutsche Holdinggesellschaften mit Beteiligung von Ansaris Vertrauten, darunter Moris Mashali.
- Großbritannien: Dutzende Luxusimmobilien entlang der „Billionaires’ Row“ in Hampstead und zwei Wohnungen in Kensington Palace Gardens – nur 50 Meter von der israelischen Botschaft entfernt. Die britische Regierung fror im Oktober 2025 über 100 Millionen Pfund ein.
Weitere Assets: Eine Penthouse-Wohnung in Toronto, Anteile an einem Pariser Luxusgebäude und Bankkonten in der Schweiz. Gesamtwert: ca. 400 Millionen Euro – finanziert vor allem durch iranische Ölverkäufe.
Die Verbindung: Ansari als „Money Man“ des neuen Führers
Ansari (58) gründete die inzwischen kollabierte Ayandeh Bank und baute ein Baukonzern-Imperium auf. Westliche Geheimdienste und Investigativjournalisten sehen in ihm seit Jahrzehnten den langjährigen Finanzagenten der Khamenei-Familie. Bloomberg zitiert Informanten und eine „führende westliche Geheimdienst-Einschätzung“, wonach Ansari persönlich mit Mojtaba Khamenei zusammenarbeitete. Die NZZ spricht von einem „Strohmann“ (Proxy), der das Vermögen als „Notfall-Reservoir“ für eine mögliche Flucht oder zur Finanzierung der IRGC diene.
Die britische Regierung sanktionierte Ansari am 30. Oktober 2025 explizit wegen „finanzieller Unterstützung der Revolutionsgarden“. Er bestreitet jede Verbindung vehement über seinen Anwalt: „Herr Ansari weist eine finanzielle Beziehung zur iranischen Revolutionsgarde oder zum neuen Obersten Führer vehement zurück.“ Rechtliche Schritte gegen die UK-Sanktionen wurden angekündigt.
Warum unternehmen deutsche Behörden nichts?
Hier wird die Recherche brisant für Deutschland. Zwei der prestigeträchtigsten Hotels des Portfolios stehen mitten in Frankfurt – und laufen weiter. Booking.com hat sie im Februar 2026 zwar aus dem Angebot genommen, doch die Betriebsgesellschaften (u. a. Allsco Gravenbruch Hotelbetriebsgesellschaft) sind nicht eingefroren. Es gibt keine EU-Sanktionen gegen Ansari persönlich, keine Vermögenssperren, keine Geldwäsche-Ermittlungen mit öffentlichem Ergebnis.
Die Gründe sind vielschichtig – und politisch heikel:
- Kein EU-Sanktionsregime: Während Großbritannien unilateral handeln kann, braucht die EU Einstimmigkeit der 27 Mitgliedstaaten. Ansari steht nicht auf der EU-Liste. Die Bundesregierung prüft derzeit weitere Sanktionen, wie eine Bundestagsanfrage (Drucksache 21/4626 vom 10. März 2026) zeigt. Antwort der Regierung: „Sorgfältige Vorarbeiten auf mehreren EU-Ebenen“ seien nötig.
- Komplexe Firmenstrukturen: Die deutschen Gesellschaften sind formal sauber. Direkte Beweise, dass Mojtaba Khamenei oder die IRGC Eigentümer sind, fehlen in öffentlichen Registern. Deutsche Nachrichtendienste haben laut FAZ „angefangen zu prüfen“ – Konsequenzen? Bislang keine.
- Wirtschaftliche Interessen: Die Hilton-Hotels beschäftigen Hunderte Mitarbeiter, das Oberhausener Einkaufszentrum ist ein lokaler Wirtschaftsfaktor. Das Mallorca-Hotel warnte vor „erheblichem wirtschaftlichem Schaden“. Eine Enteignung oder Sperre würde Klagen und Jobverluste bedeuten.
- Mangelhafte Kontrollen und bürokratische Trägheit: SWR-Report Mainz und andere Recherchen sprechen von „mangelhaften Kontrollen“ in Europa. Während die USA und Großbritannien seit Jahren hart gegen IRGC-Netzwerke vorgehen, sei die EU langsamer – auch aus Angst vor diplomatischen Verwicklungen oder Vergeltung.
Der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) äußerte sich kritisch, es gab eine kleine Demo der Jusos vor dem Frankfurter Hilton – mehr nicht. Im Bundestag wird gefragt, ob die Regierung Erkenntnisse über Verbindungen zu Mojtaba Khamenei habe und Maßnahmen plane. Eine Antwort steht noch aus.
Fazit: Ein System der Sanktionsumgehung
Die Spur von Kitzbühel bis Mallorca zeigt, wie das iranische Regime – auch unter dem neuen Führer – westliche Rechts- und Finanzsysteme nutzt, um Vermögen zu sichern. Ali Ansari ist dabei nur die sichtbare Spitze. Die eigentliche Frage lautet: Wie lange lässt sich Deutschland noch als sicheren Hafen für mutmaßliche IRGC-Gelder missbrauchen?
Die Vossische Zeitung hat bei der Bundesregierung, dem Auswärtigen Amt und der BaFin nachgefragt. Eine Stellungnahme stand bei Redaktionsschluss noch aus. Sollten neue Erkenntnisse hinzukommen – etwa zu laufenden Ermittlungen oder EU-Sanktionen –, werden wir berichten.
Quellen (Auswahl): Financial Times (25.1.2026), Bloomberg (8.3.2026), NZZ (24.3.2026), OCCRP (17.3.2026), Bundestags-Drucksache 21/4626, SWR Report Mainz (17.3.2026), FAZ (31.1.2026).
Dieser Artikel basiert ausschließlich auf öffentlich verfügbaren Unternehmensregistern, Sanktionslisten und investigativen Berichten. Er erhebt keinen Anspruch auf abschließende juristische Bewertung.
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